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Vorbilder derWeiterbildung 2012

Bereits traditionell wurden zum  Auftakt des Deutschen Weiterbildungstages im Deutschen Bundestag in Berlin die »Vorbilder der Weiterbildung« geehrt – Menschen oder Projekte, die im positiven Sinne für Weiterbildung und Lebenslanges Lernen stehen. Auch in diesem Jahr erhielten vier Preisträgerinnen und Preisträger in verschiedenen Kategorien die »Ehrenpreise des Deutschen Weiterbildungstages. Sie wurden von prominenten Laudatoren geehrt wie dem Staatssekretär a.D. Rezzo Schlauch oder dem Olympiasieger im Zehnkampf, Christian Schenk.


Die Preisträger des Deutschen Weiterbildungstages 2012 sind:

 

In der Kategorie »Vorbildliches Unternehmen«
Die Service Plus Lüneburg GmbH, für die eine gute Ausbildung ihrer Mitarbeiter ein entscheidendes Erfolgskriterium ist. Das Unternehmen ist sich seiner sozialen Verantwortung bewusst und handelt entsprechend.

 

 

In der Kategorie »Wer nicht rastet, der nicht rostet«
Uwe Bähr, der erst als Rentner dank Weiterbildung zu seiner Herzenssache Kunst und Kultur gefunden hat. Heute kümmert er sich unter anderem mit dem Düsseldorfer »Sockentheater« um die Sprachförderung von Kindern.

 

 

In der Kategorie »Weiterbildung und Ehrenamt«
Gebrehiwot Tesfamariam, der Migrantinnen und Migranten ehrenamtlich hilft. Wenn nötig bringt er Jugendliche auch mit seinem Privatauto zu Projekten, damit sie sich mit Sport, Musik, Computer oder Kunst beschäftigen können. Herr Tesfamariam wurde vom Türkischen Elternverein Pforzheim für die Ehrung vorgeschlagen.

 


In der Kategorie »Aufstieg durch Bildung«
Meike Theis, die sich nach 18 Jahren am Band in einer Lebkuchenherzen-Bäckerei eine Weiterbildung zur Industriekauffrau erkämpfte. Inzwischen ist sie in ihrem alten Unternehmen zur Kundenbetreuerin im Vertrieb aufgestiegen.

 

 


In der Kategorie »Integration durch Bildung«
Dawood Ahmed Mubashar aus Pakistan, der nach einem Sprachkurs und einer Ausbildung als Busfahrer inzwischen »Bonns beliebtester Busfahrer« ist.




In der Kategorie »Zweite Chance«
Preisträger in der Kategorie »Zweite Chance« ist Dominik Förster, ein junger Mann aus Gelsenkirchen, der nach schwieriger Kindheit und Jugend mit Drogenproblemen und Konflikten mit dem Gesetz seine zweite Chance genutzt, den Hauptschulabschuss nachgeholt und eine Ausbildung zum Mechatroniker begonnen hat.




In der Kategorie »Vorbildliches Unternehmen«
Als »Vorbildliches Unternehmen« wurde die Hamburger Stadtreinigung ausgezeichnet, die sich auf beeindruckende Weise für Weiterbildung von Geringqualifizierten eingesetzt hat.




Neben der -> zentralen Veranstaltung im Bundestag in Berlin fanden im Rahmen des Deutschen Weiterbildungstages deutschlandweit mehr als 700 Veranstaltungen zum Thema Weiterbildung statt. Veranstaltet wurde der Weiterbildungstag von insgesamt 16 Verbänden, Institutionen und Unternehmen der Weiterbildungsbranche und vielen Unterstützern, darunter ARD-»Tagesthemen«-Moderator Tom Buhrow, Handball-Bundestrainer Heiner Brand oder »Oscar«-Preisträgerin Martina Gedeck. Ziel ist es, auf die wachsende Bedeutung von Bildung und Weiterbildung für unsere Gesellschaft, den Wirtschaftsstandort Deutschland und den Einzelnen aufmerksam zu machen.

(c) Buch und Regie aller Filme: -> Jürgen Kura

 


Herlind Kasner in der Kategorie »Dozentin aus Leidenschaft – Leben für die Weiterbildung«
Es gibt zwei Zahlen, die beschreiben Herlind Kasners »Leben für die Weiterbildung« ziemlich gut: 80 und 34. 80 Jahre alt ist Herlind Kasner in diesem Sommer geworden und 34 Jahre – ohne Unterbrechung! – unterrichtet sie jetzt Fremdsprachen. Bis heute leitet sie an drei Abenden pro Woche vier Englischkurse an der Volkshochschule Templin, alle Kurse gut besucht. Damit ist Herlind Kasner die mit Abstand langjährigste Dozentin der Kreisvolkshochschule Uckermark und sicher bundesweit einer der wenigen, wenn nicht die einzige Sprachendozentin, die in ihrem Alter noch so ein großes Volumen an Sprachunterricht bewältigt. Außergewöhnliche Energie gepaart mit geistiger Beweglichkeit zeichnen die leidenschaftliche Dozentin in ihrem Leben für und mit der Weiterbildung aus. Als sie vor über 50 Jahren von Hamburg nach Ostdeutschland übersiedelte, bedingt durch den Beruf ihres Ehemannes, bedeutete dies für sie nicht mehr aber auch nicht weniger als dass sie ihren erlernten und geliebten Beruf als Studienrätin in Englisch und Latein im staatlichen Schuldienst der damaligen DDR nicht ausüben konnte. Für die Weiterbildung aber war das ein großer Gewinn. Denn somit konnte sie sich ganz auf die Aus- und Fortbildung Erwachsener konzentrieren und wurde nach der Wende schließlich mit Leib und Seele Volkshochschul-Dozentin. »Ich wundere mich immer, wenn mich Menschen fragen, ob ich das denn noch machen müsse«, sagt die 80-Jährige hellwach: »Natürlich muss ich nicht, aber das hier wird gebraucht. Und es macht mir wirklich großen Spaß!«

Alstom LHB GmbH in der Kategorie »Vorbildliches Unternehmen«
Die Alstom LHB GmbH, Teil des weltweiten Alstom-Konzerns mit ca. 65.000 Beschäftigten in über 70 Ländern, hat sich auf ein besonderes Experiment eingelassen: In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Wolfenbüttel, der Technikerschule Braunschweig und der Weiterbildungseinrichtung ARBEIT UND LEBEN Braunschweig initiierte das Unternehmen ein Modellvorhaben, um Facharbeitern ohne Abitur ein Studium zu ermöglichen. Dabei werden junge Fachkräfte in Vorbereitungskursen auf die externe Prüfung an der FH vorbereitet: ein halber Tag Werkbank, ein halber Tag Vorbereitungskurs. Alstom, Marktführer im Energie- und Transportbereich, vergibt Verträge mit Wiedereinstellungsgarantie und bei Bedarf Stipendien. Die Begeisterung aller Beteiligten ist hoch: für Mitarbeiter ist es »ein Sechser im Lotto«. Alstom-Personalleiterin Marion Engelhardt resümiert: »Damit haben wir es geschafft, eine Höherqualifikation für alle interessierten Mitarbeiter zu erreichen, denn nicht nur bei uns gibt es heute kein besseres Sparbuch als die eigene Qualifikation.« Und in Niedersachsen ist das Wort »Alstom Modell« bei Arbeitgebern, Gewerkschaften, Ministerien und Agentur für Arbeit inzwischen zum geflügelten Wort geworden: für innovative Weiterbildung.

Martha Ludwig in der Kategorie »Integration durch Bildung«

Martha Ludwig (51) kam Mitte der 80er Jahre aus Ghana nach Deutschland. Sie konnte nicht lesen, nicht schreiben, sie konnte keinen Brocken Deutsch. Lange Jahre war die Analphabetin aus dem gesellschaftlichen und sozialen Leben in Deutschland ausgeschlossen – schloss sich selbst aus, gehörte nicht dazu. Nach dem Besuch eines Alphabetisierungskurses an der Wipa Berlin änderte sich das schlagartig: Allein die Tatsache, dass sie nun Straßenschilder lesen könne, habe ihr ein unglaubliches Selbstbewusstsein vermittelt, so die 51-Jährige. Aus Freude darüber, endlich lesen und schreiben zu können und damit das Leben um sich herum zu verstehen, begann sie, ihre Erfahrung weiterzugeben und afrikanische Tanz- und Kulturkurse für Kinder anderer Kulturen – hauptsächlich aus Afrika – bei sich zu Hause anzubieten. Während dieser fröhlichen Kurse bekommen die Kinder so ganz nebenbei die deutsche Sprache und vor allem die deutsche Kultur nähergebracht. Martha Ludwigs Motto: Jeder kann es schaffen.

Sylva Rother in der Kategorie »Aufstieg durch Weiterbildung«
Von der Gärtnerin zur Entwicklungsingenieurin im Fahrzeugbau – Sylva Rother ist ein wahrlich nicht alltägliches Beispiel für eine Karriere durch Weiterbildung. Das Besondere an der 38-Jährigen: Sie machte nach einer Gärtnerei-Ausbildung zunächst eine weitere Ausbildung zur Technischen Zeichnerin. Doch das reichte der ehrgeizigen jungen Frau nicht und sie entschied sich für ein berufsbegleitendes Fernstudium zur »Diplom-Ingenieurin (FH)« im Studiengang Mechatronik an der Wilhelm Büchner Hochschule in Pfungstadt bei Darmstadt. Das Studium absolvierte sie mit Einser-Diplom und arbeitet heute als Entwicklungsingenieurin bei ZF Friedrichshafen, einem deutschen Automobilzulieferer, der zu den weltweit führenden auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerkstechnik zählt. Hier hat sich die Ingenieurin inzwischen fest in einer Männerdomäne etabliert und bringt dabei – wie schon zu Fernstudienzeiten – auch noch Familie und Beruf unter einen Hut.

Projekt »Berufsvorbereitende Maßnahme Sport« (»BVB Sport«) in der Kategorie »Zweite Chance«
Schulschwänzer, Dealer, Möchtegern-Machos – die Klientel von Christian Michl (45) klingt nicht wirklich geeignet für ein Ausbildungsprojekt. Ist sie auch nicht, und deshalb ist dieses Projekt so einzigartig: »Berufsvorbereitende Maßnahme Sport« heißt es sperrig oder griffiger: »BVB Sport«. Das Projekt wird von der Bundesagentur für Arbeit finanziert und der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) in München betreut. Erklärtes Ziel der rund 40 bis 50 jungen Männer in »BvB Sport«: einen Ausbildungsplatz bekommen, die Lehre machen und zu Ende bringen. Der Sport – Fußball oder Basketball – ist dabei meist das letzte Mittel, um an die Jungs heranzukommen, denn bei Wettkampf und Bewegung fühlen sie sich sicher, können zeigen, was sie draufhaben und werden selbstbewusster – nicht selten als Ersatz für schlechte Schulnoten. »Man kann eine Persönlichkeit, die etwas brüchig geworden ist, wieder zusammenkleben«, ist die Erfahrung der Projektverantwortlichen – und der Erfolg gibt ihnen recht: Von den Teilnehmern beginnen mehr als 70 Prozent nach der »BVB Sport«-Zeit eine Ausbildung, die meisten bringen sie zu Ende. Die Methode scheint nahezuliegen und doch ist »BvB Sport« in Deutschland das erste und bislang einzige Projekt dieser Art. Ein geglücktes Experiment, ein nur halb erwarteter Erfolg. Irgendwie auch ein kleines Sommermärchen.
 


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