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    Weiter bilden, Gesellschaft stärken!

Politische Plattform zum Weiterbildungstag 2018

Weiter bilden, Gesellschaft stärken! – unter diesem Motto steht der Deutsche Weiterbildungstag 2018. Der bundesweite Aktionstag stellt damit in diesem Jahr die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in den thematischen Mittelpunkt und zeigt, welchen Beitrag die berufliche, (inter-)kulturelle und politische Weiterbildung hierzu leisten kann.

PDF-Dateien zur politischen Plattform:

Langfassung Kurzfassung

Detaillierte Inhalte

Präambel zur politischen Plattform

Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist durch vielfältige Herausforderungen bedroht. Die Ursachen dafür sind Globalisierung, Migration und ein rasanter Strukturwandel, getrieben durch die Digitalisierung sowie die wachsende demographische Lücke. Ausgrenzung, soziale Spaltung, zunehmender Populismus und eine wenig ausgeprägte Konfliktkultur tragen zudem zur Verschärfung der gesellschaftlichen Situation bei.

Wir stellen uns eine Gesellschaft vor, in der möglichst viele aktiv auf die Herausforderungen der Gegenwart reagieren, nach Lösungen suchen und dafür gezielt Wissen erwerben, Kompetenzen entwickeln und Bildung nachfragen. Zugleich würde diese Gesellschaft stärker solidarisch denken und handeln und wäre durch ein hohes Maß an Verständnis und Verantwortung für ihre alten und jungen, einheimischen und zugereisten, wohlhabenden und bedürftigen, gut ausgebildeten und bildungsfernen Mitglieder gekennzeichnet. Keiner darf zurückgelassen werden, Vielfalt ist gewollt!

Gute Bildung in jeder Lebensphase (Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter) und in jeder Ausprägung (Grundbildung, berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung, hochschulische Bildung, allgemeine Erwachsenenbildung) ist ein unverzichtbares Mittel zur Bewältigung des allgegenwärtigen Wandels in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Erfolgreich gestalteter Wandel braucht vor allem Veränderung im Denken und Mut zur Innovation. Die Bildungsträger in Deutschland befassen sich mit dem Wandel und gestalten diesen mit, zum Beispiel durch eine Internationalisierung und europäische Ausrichtung ihrer Strukturen und Angebote (Deutscher Weiterbildungstag 2014) und eine Umsetzung der digitalen Transformation in ihren Einrichtungen (Deutscher Weiterbildungstag 2016).

Wandel kostet Geld. Investitionen in Bildung sind gut angelegt und führen dazu, dass jeder Einzelne seine Fähigkeiten entwickeln kann und damit die Gesellschaft stärkt. Die Bildungsfinanzierung muss aber neue Wege gehen. Dazu gehört ein übergreifender politischer Wille in den Parteien und auf den unterschiedlichen Staatsebenen.

Der Beitrag von Weiterbildung zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ist vielfältig:

Berufliche (Weiter-)Bildung in betrieblichen und außerbetrieblichen Einrichtungen hat die unbestrittene Hauptaufgabe, Fachwissen zu vermitteln und berufliche Handlungskompetenzen zu fördern. Erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt wird damit sehr wahrscheinlich und stärkt das Selbstbewusstsein und die Anerkennung des Einzelnen in der Arbeitswelt. Darüber hinaus müssen die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner verstärkt die sozialen Kompetenzen, die Fähigkeit zum selbstbestimmten Lernen und damit die Persönlichkeit der ihnen anvertrauten Menschen im Blick haben und weiterentwickeln. Sie werden somit zu Sozialakteuren, die die individuelle Daseinsvorsorge und gesellschaftliche Teilhabe der Lernenden ermöglichen bzw. unterstützen.

Daneben trägt die allgemeine Erwachsenenbildung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Studien zufolge sind deren Teilnehmerinnen und Teilnehmer häufiger ehrenamtlich engagiert als andere. Auch stärkt die Teilnahme an Weiterbildungsangeboten Toleranz und den Ausbau persönlicher sozialer Netzwerke. In besonderer Weise ist diese stärkende Funktion in der kulturellen, religiösen und politischen Erwachsenenbildung gegeben. Aufgabe der (inter-)kulturellen Bildung ist es dabei, Sensibilität für Diversität zu entwickeln und Angebote zum kreativen Umgang mit Vielfalt sowohl den Zugewanderten als auch den Einheimischen zu unterbreiten. In der religiösen Erwachsenenbildung werden Vorstellungen gelungenen Zusammenlebens entwickelt und reflektiert. Dabei werden Wertegrundlagen für die Anerkennung des Anderen gestärkt.

Die Geringschätzung von demokratischen Institutionen durch wachsende Bevölkerungskreise – oft in Verbindung mit der Schmähung bewährter Medienstrukturen durch populistische Strömungen – ist häufig Ausdruck von Enttäuschung oder Ausgrenzung und stellt die politische Bildung vor neue Herausforderungen. Mit objektiven, kreativen und unkonventionellen Formaten regen Politische Bildnerinnen und Bildner zum Nachdenken an, wie die partizipatorischen Potenziale der digitalen Kommunikation genutzt und dabei eine der freien Meinungs- und politischen Willensbildung zuträgliche Debattenkultur gefördert werden kann. Dabei gilt es, sich gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus zu engagieren, insbesondere dort, wo der plurale, öffentliche und diskriminierungsfreie Raum gefährdet ist. Gleichzeitig gilt es die Meinungsfreiheit zu schützen und den Dialog zu suchen. Für die politische Bildung ist dieser Meinungsaustausch, diese Kontroversität fundamental.

Der Deutsche Weiterbildungstag 2018 stellt die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in den Mittelpunkt der Kampagne und zeigt bei der zentralen Auftaktveranstaltung am 25.09.2018 in Berlin sowie beim bundesweiten Aktionstag mit regionalen Schwerpunktveranstaltungen am 26.09.2018, welchen Beitrag die berufliche, kulturelle und politische Weiter-Bildung sowie die allgemeine Erwachsenenbildung hierzu bereits leisten und darüber hinaus leisten können. Das enge Zusammenwirken der jeweiligen Akteure ist dabei wichtiger denn je.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt durch Weiterbildung

Gesellschaftlicher Zusammenhalt durch Weiterbildung bedeutet für uns ganz konkret:

Beschäftigungsfähigkeit des Einzelnen erhalten!

Die aktive Beteiligung möglichst Vieler am Arbeitsleben ist eine der wesentlichen Grundlagen für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die berufliche Weiterbildung nimmt die Herausforderungen der globalisierten Arbeitswelt auf. Hier fördert Weiterbildung die Vermittlung von sozialen, personalen und fachlichen Kompetenzen für den Wirtschaftsprozess. Sie leistet damit ihren Beitrag, Ausgrenzungsrisiken der erwerbsfähigen Menschen zu vermindern oder gar zu vermeiden. Darüber hinaus eröffnen sich durch Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer neue berufliche Entwicklungschancen. Zugleich werden sie dabei unterstützt, sich den weltweit zunehmenden Anforderungen an ihre Mobilität zu stellen.

Digitale Spaltung überwinden!

Erfolgreiche Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen und gesicherte berufliche Perspektiven hängen in hohem Maße von digitaler Teilhabe ab. Deshalb ist es notwendig eine Weiterbildungsoffensive einzuleiten, die die zentrale Herausforderung der Digitalisierung bearbeitet. Dazu gehören der barrierefreie Zugang zu digitalen Medien sowie flächendeckende und niederschwellige Angebote zum Erwerb grundlegender IT-Kenntnisse für geringqualifizierte, Personen mit Grundbildungsbedarf und Menschen aus benachteiligten Schichten, um der zunehmenden digitalen Spaltung in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken.

Medienkompetenzen vermitteln!

Digital gestützte Weiterbildungsmaßnahmen ermöglichen selbstgesteuertes, zeit- und ortsunabhängiges Lernen unabhängig vom Lebensalter oder formalen Bildungsvoraussetzungen. Aber auch das Lernen in den Bildungseinrichtungen vor Ort wird durch die Einbeziehung digitaler Lernsettings entscheidend verbessert. So müssen zum Beispiel digitale Formate in der klassischen Förderung der beruflichen Weiterbildung breiter und vertiefter zum Einsatz kom-men. Neben dem Erwerb von digitalen Fertigkeiten und Kenntnissen ist die Medienkompetenz bei Lernenden ein Schlüssel für persönliche Entwicklung und gesellschaftliche Partizipationsfähigkeit in einer sich ständig verändernden Welt. Hier ist besonders die medienpädagogische Kompetenz des Bildungspersonals gefragt. So müssen wissenschaftlich entwickelte digitale Instrumente zur kognitiven Entlastung des Bildungspersonals breitere Anwendung finden, damit sich die Weiterbildnerinnen und Weiterbildner auf ihre pädagogischen Kernaufgaben konzentrieren können. Dies ermöglicht den wirksamen Einsatz digitaler Medien in Lehr-/ Lernprozessen und unterstützt die Entwicklung von Digitalkompetenz bei den Lernenden.

Soziale Integration fördern!

Mit Alphabetisierungskampagnen, mit Angeboten in der allgemeinen und politischen Weiterbildung, mit öffentlich geförderter beruflicher Weiterbildung oder mit Integrationskursen wird soziale Integration nachhaltig gefördert. Forschungsergebnisse zeigen, dass Lernen in allen Lebensphasen soziale Integrationsleistungen für die Gesellschaft erbringt, soziale Kontakte fördert, Vertrauen in die eigenen Ressourcen stärkt und so hilft, das eigene Leben (wieder) aktiv zu gestalten.

Teilhabe am öffentlichen Leben stärken!

Weiterbildung regt zum ehrenamtlichen und politischen Engagement an. Sie eröffnet die Chance, sich für Aufgaben im öffentlichen Leben zu qualifizieren. Dafür vermittelt insbesondere die politische Bildung Fähigkeiten und Kenntnisse. Weiterbildung macht toleranter gegenüber Minderheiten und fördert die Bereitschaft, sich für das Gemeinwesen und die demokratische Gesellschaft einzusetzen.

Europäische Wertefundamente sichern!

Das Europa der Eliten muss zu einem Europa der Bürger werden! Es bedarf starker Fundamente, die die europäische Idee in die Zukunft tragen können. Europäische Entscheidungen sollten besser demokratisch legitimiert und vorhandene Beteiligungsmöglichkeiten intensiver erkannt und genutzt werden. Politische Bildung vermittelt das Wissen und die Kompetenzen für eine aktive demokratische Bürgerschaft. Deshalb fordern wir eine breite gesellschaftliche und politische Unterstützung derjenigen Kräfte, die mit Bildungsangeboten europäische Wertefundamente stärken. Eine starke Verankerung in Europa und seinen Regionen kann auch helfen, die Gesellschaft gegenüber bedrohlichen Szenarien der Globalisierung unempfindlicher zu machen, etwa durch die Stärkung (europäisch geförderter) regionaler Initiativen und Bildungsprojekte

Demographischen Wandel gestalten!

Aktuell ist mehr als jeder Vierte in Deutschland über 60 Jahre alt. In den nächsten 25 Jahren wird es jeder Dritte sein. Gleichzeitig wird die Gesamtbevölkerung aller Voraussicht nach erheblich zurückgehen. Dies hat natürlich Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die Versorgung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Weiterbildung leistet hier einen unverzichtbaren Beitrag, um den Folgen des demographischen Wandels effektiv zu begegnen. Dazu gehören spezielle Angebote für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Qualifikationspläne für die berufliche Weiterentwicklung und den Aufstieg jüngerer Beschäftigungsgruppen. Dem gesellschaftlichen Zusammenhalt sind besonders solche Angebote dienlich, die Ältere für Ehrenämter qualifizieren oder Konzepte für gemeinwohlfreundliches aktives Altern vermitteln. Der stark rückläufigen Bevölkerungszahl im ländlichen Raum muss durch die Förderung sogenannter aufsuchender Bildungsarbeit ein situationsgerechtes Lernangebot unterbreitet werden.

Interkulturelles Verständnis wecken!

Im Interesse eines guten Miteinanders sind Kenntnisse über kulturelle Unterschiede und Angebote zum kreativen Umgang mit kultureller Vielfalt unabdingbar. Zusätzlich zu sprachlichen Bildungsangeboten können andere kulturelle und künstlerische Aktivitäten dazu beitragen, dass Menschen Gedanken und Gefühle leichter ausdrücken können. Deshalb bedarf es neuer, offener Angebote kultureller und interkultureller (Weiter-) Bildung, die sowohl Zugewanderte als auch Einheimische einladen, sich gemeinsam kreativ zu betätigen und dabei die Kulturen und Traditionen der jeweiligen Herkunftsländer wechselseitig kennen zu lernen und zu verstehen.

Bundesweit einheitliche Regelungen schaffen!

Heute ist die Struktur der Weiterbildung unsystematisch von unterschiedlichsten Verantwortungsträgern auf regionaler, überregionaler oder nationaler Ebene geprägt. Künftig notwendig sind bundesweit verbindliche Reglungen, die den Zugang, die Teilnahme und die Finanzierung von Weiterbildung auf einem einheitlich hohen Niveau sicherstellen und somit Chancengleichheit schaffen. Dabei geht es einerseits um Mindeststandards wie Freistellungsansprüche und Weiterbildungsfonds, andererseits aber auch um die Sicherstellung von Beratungsangeboten, die eine soziale Ausgrenzung von Bildungsbenachteiligten in unserer Gesellschaft verhindern sollen.

Folgerungen

Die neue Bundesregierung und die sie tragenden Parteien sind aufgefordert, in einer breit angelegten Weiterbildungsoffensive die beträchtlichen Potentiale und Gestaltungsmöglichkeiten, die Weiterbildung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt bietet, aufzugreifen und zu fördern und sich als Motor einer gemeinsamen Anstrengung von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialpartnern an die „Spitze der Bewegung“ zu stellen. Die nach wie vor richtige Zielbeschreibung einer „Bildungsrepublik Deutschland“ muss jetzt durch mutige Programme und Maßnahmen verwirklicht werden. Dazu gehört auch die Reform des Weiterbildungssystems in Deutschland auf Basis eines noch zu schaffenden Bundesgesetzes inklusive einer Neuordnung der Bildungsfinanzierung, deren erster Schritt die Aufhebung des Kooperationsverbots ist.

Dafür steht der 7. Deutsche Weiterbildungstag 2018!