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Die Vorbilder der Weiterbildung

Bereits traditionell wurden zum Auftakt des Deutschen Weiterbildungstages in Berlin die »Vorbilder der Weiterbildung« geehrt – Menschen oder Projekte, die im besten Sinne für Weiterbildung und Lebenslanges Lernen stehen. Auch 2014 erhielten vier Preisträgerinnen und Preisträger in verschiedenen Kategorien die »Ehrenpreise des Deutschen Weiterbildungstages«. Geehrt wurden sie von prominenten Laudatoren wie der 2014 amtierenden Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, Ministerin Sylvia Löhrmann oder dem sympathischen Schauspieler Walter Sittler. Die Preisträger des Deutschen Weiterbildungstages 2014 sind:



Preisträger 2014

Sigrun Stahr in der Kategorie »Dozentin aus Leidenschaft«

Mit erwachsenen Analphabeten arbeitet Sigrun Stahr seit 2006. In der Volkshochschule Lippe-West unterrichtet sie Migranten, die in ihrer Kindheit nur für kurze Zeit oder gar nicht in eine Schule gehen konnten. »Wenn man nicht lesen kann, ist man wie blind«, hat einmal eine Teilnehmerin gesagt. »Man ist absolut abhängig, kann nicht allein zum Arzt oder einkaufen gehen. Lesen lernen macht selbstbewusster und öffnet die Augen.« In ihren Kursen hat Frau Stahr mit den Kursteilnehmern Lieblingsrezepte der Familien gesammelt und sie zu einem kleinen Buch zusammengefügt. In einem anderen Kurs haben die Frauen Hausmittel und Rezepte zur Gesundheitspflege aufgeschrieben. Die Arbeit mit Migranten in einem Alphabetisierungskurs geht für die qualifizierte und engagierte Dozentin manchmal auch über die Unterrichtszeit hinaus - wenn jemand eine Brille braucht, sich aber nicht zum Augenarzt traut, wenn jemand den Brief vom Sozialamt nicht versteht oder wenn jemand plötzlich seine Wohnung verliert und ganz schnell einen Anwalt und Unterkunft braucht. Dann ist es manchmal schwer, eine Grenze zu finden und die gutgemeinte Einladung zum Essen auch einmal abzulehnen und nicht auch noch den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen...

Ante Caljkusic – der lange Weg zu sich selbst

Dass er mit Menschen arbeiten wollte, war für Ante Caljkusic (54) eigentlich schon nach dem Abitur klar. Doch zunächst tat er, was er sollte – nicht was er wollte: Er machte eine Ausbildung zum Kaufmann. Später übernahm der Dortmunder mit französisch-kroatischen Wurzeln 13 Jahre lang die Leitung des elterlichen Restaurants: Die familiäre Pflicht zu erfüllen, war für ihn selbstverständlich. Mit 44 Jahren – endlich – kehrte Ante Caljkusic zu seinen eigenen Wünschen zurück und lernte Altenpfleger bei den Grone-Schulen »von der Pike auf«. Mittlerweile arbeitet Ante Caljkusic in seinem persönlichen »Traumberuf«, hat sich zur Fachkraft weiterentwickelt und gibt sein Wissen bei Grone inzwischen sogar als Dozent weiter: »Wenn Kurse neu beginnen, stelle ich das Konzept der Wohngemeinschaft vor und sage den Schülern: Ich habe dort gesessen, wo ihr jetzt sitzt. Nun kann ich mit meinem Wissen mein Brot verdienen und es sogar weiter vermitteln. Das könnt ihr auch!«

 

Chaiyan Phetmanee in der Kategorie »Zweite Chance«

Chaiyan Phetmanee, geboren 1984, ist ein Zuwandererkind aus Thailand. Aufgewachsen ist er in einer kleinen Ortschaft in Süddeutschland »war nicht so toll da, ein eher deutsches konservatives Dorf, ich durfte keinen Sportmannschaften beitreten und wurde auch sonst von allem ausgeschlossen«. Als er 9 war, hieß es für den Jungen, der Mann im Haus sein und auf die Geschwister aufpassen, jeden Tag, da Mama ja arbeiten musste. Für Kindheit blieb noch weniger Zeit. Schulisch wurde es immer schlechter. 1998 dann der Umzug nach Stuttgart … ab da ging’s immer mehr bergab ... Schule eigentlich nur noch, wenn er mal Zeit hatte. Dann doch irgendwie den Hauptschulabschluss geschafft ... mit 16 von zu Hause weg und Hilfsarbeiten gemacht, um über die Runden zu kommen. Vom Gebäudereiniger zu McDonalds über Außendienst Telefonverträge verkauft an Türen - alles war dabei ... Danach auf Hartz 4 abgestürzt, der Weg nach unten schien nicht mehr aufzuhalten. Bis er im Oktober 2009 eine Umschulung zum Bürokaufmann beim IB begann. Chaiyan schafft die Ausbildung und hat sich heute zum Human Resources Manager hochgearbeitet. »Ich erstelle Lohnabrechnungen, führe Bewerbungsgespräche, verwalte Personalakten und gebe anderen Leuten die Chance, in ein Arbeitsverhältnis zu kommen... Die Umschulung hat sich für mich total gelohnt!« Nebenbei macht er Musik, hatte schon Charterfolge, Radiostationen spielen seine Musik und Leute erkennen ihn plötzlich auf der Straße. »Ja, mein Leben ist verrückt«, sagt Chaiyan, »aber so soll’s sein.«

Ein Projekt der Fachschule für Bautechnik München, bei dem Handwerker aus Deutschland und Rumänien in Mardisch (Siebenbürgen) historische Gebäude sanieren in der Kategorie »Europäisches Projekt«

Seit mehreren Jahren fahren junge Handwerker, die sich in der Weiterbildung zum Meister/Techniker befinden, nach Mardisch in Siebenbürgen (Rumänien) und renovieren mit dortigen Handwerkern u.a. eine alte Kirchenburg, ein Pfarrhaus, eine Schule. So wurden 2013 zum Beispiel abschließende Arbeiten am Fußboden der Kirche in Mardisch erledigt sowie das baufällige Pfarrhaus in Martinsdorf vor dem Verfall gerettet. Zudem sollte es innen wieder so hergerichtet werden, dass es als einfache Unterkunft für z. B. Radtouristen genutzt werden kann. Aus der Siebenbürger Zeitung: »Besonderer Dank gebührt Hans Gröbmayr, dem Projektleiter, der die zwei jeweils 50 Seiten starke Projektanträge geschrieben hat. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die EU die Hauptfinanzierung des Projektes in Höhe von rund 110.000 Euro leistete. Hinzu kamen weitere Spendengelder z. B. von der bayerischen Staatsregierung, die eben-falls Hans Gröbmayr akquirieren konnte. Sogar zu seinem Geburtstag letztes Jahr wünschte er sich von seinen Gästen statt Geschenken Geld für das Siebenbürgen-Projekt. Für ihn ist es wichtig, dass das wertvolle Kulturgut erhalten wird. »Die weltweit einzigartigen Besonderheiten hier müssen als solche erkannt, geschätzt und geschützt werden. Wichtig ist es, die Eigenheiten zu bewahren und nicht die Mc Donald’s-Kultur zu übernehmen«, so Hans Gröbmayr. Und er ergänzt: »Ich würde mich freuen, wenn die Arbeiten hier fortgesetzt werden würden!«

 

 

 

Preisträger 2012

Die Preisträger des Deutschen Weiterbildungstages 2012 waren:

In der Kategorie »Vorbildliches Unternehmen«
Die Service Plus Lüneburg GmbH, für die eine gute Ausbildung ihrer Mitarbeiter ein entscheidendes Erfolgskriterium ist. Das Unternehmen ist sich seiner sozialen Verantwortung bewusst und handelt entsprechend.

 

 

In der Kategorie »Wer nicht rastet, der nicht rostet«
Uwe Bähr, der erst als Rentner dank Weiterbildung zu seiner Herzenssache Kunst und Kultur gefunden hat. Heute kümmert er sich unter anderem mit dem Düsseldorfer »Sockentheater« um die Sprachförderung von Kindern.

 

 

In der Kategorie »Weiterbildung und Ehrenamt«
Gebrehiwot Tesfamariam, der Migrantinnen und Migranten ehrenamtlich hilft. Wenn nötig bringt er Jugendliche auch mit seinem Privatauto zu Projekten, damit sie sich mit Sport, Musik, Computer oder Kunst beschäftigen können. Herr Tesfamariam wurde vom Türkischen Elternverein Pforzheim für die Ehrung vorgeschlagen.

 


In der Kategorie »Aufstieg durch Bildung«
Meike Theis, die sich nach 18 Jahren am Band in einer Lebkuchenherzen-Bäckerei eine Weiterbildung zur Industriekauffrau erkämpfte. Inzwischen ist sie in ihrem alten Unternehmen zur Kundenbetreuerin im Vertrieb aufgestiegen.

 

 

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Vorbilder 2010


In der Kategorie »Integration durch Bildung«
Dawood Ahmed Mubashar aus Pakistan, der nach einem Sprachkurs und einer Ausbildung als Busfahrer inzwischen »Bonns beliebtester Busfahrer« ist.




LInie mit Schatten für Liste Veranstalter



In der Kategorie »Zweite Chance«
Preisträger in der Kategorie »Zweite Chance« ist Dominik Förster, ein junger Mann aus Gelsenkirchen, der nach schwieriger Kindheit und Jugend mit Drogenproblemen und Konflikten mit dem Gesetz seine zweite Chance genutzt, den Hauptschulabschuss nachgeholt und eine Ausbildung zum Mechatroniker begonnen hat.



LInie mit Schatten für Liste Veranstalter



In der Kategorie »Vorbildliches Unternehmen«
Als »Vorbildliches Unternehmen« wurde die Hamburger Stadtreinigung ausgezeichnet, die sich auf beeindruckende Weise für Weiterbildung von Geringqualifizierten eingesetzt hat.



LInie mit Schatten für Liste Veranstalter

(c) Buch und Regie aller Filme: Jürgen Kura

 

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Vorbilder 2008

Herlind Kasner in der Kategorie »Dozentin aus Leidenschaft – Leben für die Weiterbildung«
Es gibt zwei Zahlen, die beschreiben Herlind Kasners »Leben für die Weiterbildung« ziemlich gut: 80 und 34. 80 Jahre alt ist Herlind Kasner in diesem Sommer geworden und 34 Jahre – ohne Unterbrechung! – unterrichtet sie jetzt Fremdsprachen. Bis heute leitet sie an drei Abenden pro Woche vier Englischkurse an der Volkshochschule Templin, alle Kurse gut besucht. Damit ist Herlind Kasner die mit Abstand langjährigste Dozentin der Kreisvolkshochschule Uckermark und sicher bundesweit einer der wenigen, wenn nicht die einzige Sprachendozentin, die in ihrem Alter noch so ein großes Volumen an Sprachunterricht bewältigt. Außergewöhnliche Energie gepaart mit geistiger Beweglichkeit zeichnen die leidenschaftliche Dozentin in ihrem Leben für und mit der Weiterbildung aus. Als sie vor über 50 Jahren von Hamburg nach Ostdeutschland übersiedelte, bedingt durch den Beruf ihres Ehemannes, bedeutete dies für sie nicht mehr aber auch nicht weniger als dass sie ihren erlernten und geliebten Beruf als Studienrätin in Englisch und Latein im staatlichen Schuldienst der damaligen DDR nicht ausüben konnte. Für die Weiterbildung aber war das ein großer Gewinn. Denn somit konnte sie sich ganz auf die Aus- und Fortbildung Erwachsener konzentrieren und wurde nach der Wende schließlich mit Leib und Seele Volkshochschul-Dozentin. »Ich wundere mich immer, wenn mich Menschen fragen, ob ich das denn noch machen müsse«, sagt die 80-Jährige hellwach: »Natürlich muss ich nicht, aber das hier wird gebraucht. Und es macht mir wirklich großen Spaß!«

Alstom LHB GmbH in der Kategorie »Vorbildliches Unternehmen«
Die Alstom LHB GmbH, Teil des weltweiten Alstom-Konzerns mit ca. 65.000 Beschäftigten in über 70 Ländern, hat sich auf ein besonderes Experiment eingelassen: In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Wolfenbüttel, der Technikerschule Braunschweig und der Weiterbildungseinrichtung ARBEIT UND LEBEN Braunschweig initiierte das Unternehmen ein Modellvorhaben, um Facharbeitern ohne Abitur ein Studium zu ermöglichen. Dabei werden junge Fachkräfte in Vorbereitungskursen auf die externe Prüfung an der FH vorbereitet: ein halber Tag Werkbank, ein halber Tag Vorbereitungskurs. Alstom, Marktführer im Energie- und Transportbereich, vergibt Verträge mit Wiedereinstellungsgarantie und bei Bedarf Stipendien. Die Begeisterung aller Beteiligten ist hoch: für Mitarbeiter ist es »ein Sechser im Lotto«. Alstom-Personalleiterin Marion Engelhardt resümiert: »Damit haben wir es geschafft, eine Höherqualifikation für alle interessierten Mitarbeiter zu erreichen, denn nicht nur bei uns gibt es heute kein besseres Sparbuch als die eigene Qualifikation.« Und in Niedersachsen ist das Wort »Alstom Modell« bei Arbeitgebern, Gewerkschaften, Ministerien und Agentur für Arbeit inzwischen zum geflügelten Wort geworden: für innovative Weiterbildung.

Martha Ludwig in der Kategorie »Integration durch Bildung«

Martha Ludwig (51) kam Mitte der 80er Jahre aus Ghana nach Deutschland. Sie konnte nicht lesen, nicht schreiben, sie konnte keinen Brocken Deutsch. Lange Jahre war die Analphabetin aus dem gesellschaftlichen und sozialen Leben in Deutschland ausgeschlossen – schloss sich selbst aus, gehörte nicht dazu. Nach dem Besuch eines Alphabetisierungskurses an der Wipa Berlin änderte sich das schlagartig: Allein die Tatsache, dass sie nun Straßenschilder lesen könne, habe ihr ein unglaubliches Selbstbewusstsein vermittelt, so die 51-Jährige. Aus Freude darüber, endlich lesen und schreiben zu können und damit das Leben um sich herum zu verstehen, begann sie, ihre Erfahrung weiterzugeben und afrikanische Tanz- und Kulturkurse für Kinder anderer Kulturen – hauptsächlich aus Afrika – bei sich zu Hause anzubieten. Während dieser fröhlichen Kurse bekommen die Kinder so ganz nebenbei die deutsche Sprache und vor allem die deutsche Kultur nähergebracht. Martha Ludwigs Motto: Jeder kann es schaffen.

Sylva Rother in der Kategorie »Aufstieg durch Weiterbildung«
Von der Gärtnerin zur Entwicklungsingenieurin im Fahrzeugbau – Sylva Rother ist ein wahrlich nicht alltägliches Beispiel für eine Karriere durch Weiterbildung. Das Besondere an der 38-Jährigen: Sie machte nach einer Gärtnerei-Ausbildung zunächst eine weitere Ausbildung zur Technischen Zeichnerin. Doch das reichte der ehrgeizigen jungen Frau nicht und sie entschied sich für ein berufsbegleitendes Fernstudium zur »Diplom-Ingenieurin (FH)« im Studiengang Mechatronik an der Wilhelm Büchner Hochschule in Pfungstadt bei Darmstadt. Das Studium absolvierte sie mit Einser-Diplom und arbeitet heute als Entwicklungsingenieurin bei ZF Friedrichshafen, einem deutschen Automobilzulieferer, der zu den weltweit führenden auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerkstechnik zählt. Hier hat sich die Ingenieurin inzwischen fest in einer Männerdomäne etabliert und bringt dabei – wie schon zu Fernstudienzeiten – auch noch Familie und Beruf unter einen Hut.

Projekt »Berufsvorbereitende Maßnahme Sport« (»BVB Sport«) in der Kategorie »Zweite Chance«
Schulschwänzer, Dealer, Möchtegern-Machos – die Klientel von Christian Michl (45) klingt nicht wirklich geeignet für ein Ausbildungsprojekt. Ist sie auch nicht, und deshalb ist dieses Projekt so einzigartig: »Berufsvorbereitende Maßnahme Sport« heißt es sperrig oder griffiger: »BVB Sport«. Das Projekt wird von der Bundesagentur für Arbeit finanziert und der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) in München betreut. Erklärtes Ziel der rund 40 bis 50 jungen Männer in »BvB Sport«: einen Ausbildungsplatz bekommen, die Lehre machen und zu Ende bringen. Der Sport – Fußball oder Basketball – ist dabei meist das letzte Mittel, um an die Jungs heranzukommen, denn bei Wettkampf und Bewegung fühlen sie sich sicher, können zeigen, was sie draufhaben und werden selbstbewusster – nicht selten als Ersatz für schlechte Schulnoten. »Man kann eine Persönlichkeit, die etwas brüchig geworden ist, wieder zusammenkleben«, ist die Erfahrung der Projektverantwortlichen – und der Erfolg gibt ihnen recht: Von den Teilnehmern beginnen mehr als 70 Prozent nach der »BVB Sport«-Zeit eine Ausbildung, die meisten bringen sie zu Ende. Die Methode scheint nahezuliegen und doch ist »BvB Sport« in Deutschland das erste und bislang einzige Projekt dieser Art. Ein geglücktes Experiment, ein nur halb erwarteter Erfolg. Irgendwie auch ein kleines Sommermärchen.

 

 


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