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Politische Plattform zum Weiterbildungstag 2016

»Weiterbildung 4.0 – fit für die digitale Welt« – unter diesem Motto steht der Deutsche Weiterbildungstag 2016. Nun liegt auch die politische Plattform zum diesjährigen Weiterbildungstag vor. Was sich hinter »Weiterbildung 4.0« verbirgt und wofür der Deutsche Weiterbildungstag 2016 steht, das finden Sie hier in einer Kurz- und einer ausführlichen Langfassung.

 

Kurzfassung

Weiterbildung 4.0 – fit für die digitale Welt

Die Digitalisierung unseres Lebens nimmt im privaten wie im beruflichen Kontext unaufhaltsam zu und beeinflusst das Denken und Handeln in nahezu allen Gesellschaftsbereichen. Weiterbildung hat dabei die Aufgabe, Menschen aller Altersstufen zur emanzipierten Teilhabe und zu einer gestaltenden Rolle in einer sich ständig verändernden Welt zu befähigen, und zwar im Sinne eines ganzheitlichen und demokratischen Bildungsverständnisses.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Europäische Erwachsenenbildung vorantreiben! 
Wegen der noch bestehenden Unterschiede in der Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Bildungseinrichtungen will die EU-Kommission digitale Lehr- und Lernmaterialien, auch EU-gefördert, öffentlich zugänglich machen. Wir rufen die Verantwortlichen in der EU und den Mitgliedsstaaten dazu auf, ein umfassendes europäisches Programm zur Digitalisierung der Erwachsenen- und Weiterbildung ins Leben zu rufen.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Personal kontinuierlich weiter qualifizieren!
Ein einheitliches Qualifizierungsprogramm für Lehr- und Ausbildungspersonal ist notwendig, in dem solide sowie aktuelle informationstechnische und medienpädagogische Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Fertigkeiten/Kenntnisse dokumentieren und anerkennen!
Wir setzen uns für ein System der Abschlussorientierung und Nachweisbarkeit bei digitalen Lernarrangements ein, das eine Beurteilung der erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse sowie deren Anerkennung durch Zertifikate oder Batches ermöglicht.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Beruflichen/gesellschaftlichen Anschluss sicherstellen!
Wir fordern den Bund und die Institutionen der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik auf, eine digitale Weiterbildungsoffensive einzuleiten, die den barrierefreien Zugang zu digitalen Medien ebenso beinhaltet wie eine Ausweitung und Intensivierung digitaler Formate in der Weiterbildung. Hierzu gehören auch flächendeckende und niedrigschwellige Angebote für Geringqualifizierte und Menschen aus bildungsbenachteiligten Schichten.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Integration von Flüchtenden und Migranten erleichtern!
Smartphones waren und sind für Hunderttausende von Flüchtenden überlebenswichtige Orientierungs- und Kommunikationsinstrumente Die digitale Vernetzung wird auch bei der jetzt anstehenden Aufgabe der Integration eine Schlüsselrolle spielen. Hierzu bedarf es eines zwischen Bund und Ländern abgestimmten Förderkonzepts für den Spracherwerb.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Ressortdenken überwinden / Kooperationen ausbauen!
Für eine erfolgreiche digitale (Weiter-) Bildungsoffensive muss das kleinteilige Denken in Ressorts überwunden und die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren sowie innerhalb der Weiterbildungsbranche intensiviert werden (»coopetition«). Bund und Länder müssen bei der digitalen Agenda der Bundesregierung eng zusammenarbeiten.


Die digitale Transformation unserer Gesellschaft ist vor allem auch ein (Weiter-) Bildungsprozess. Der Deutsche Weiterbildungstag 2016 und die ihn tragenden Organisationen leisten einen wesentlichen Beitrag zur gemeinsamen Bewältigung dieser großen Herausforderungen.

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Download der politischen Plattform Kurzfassung – pdf-Datei

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Langfassung

Weiterbildung 4.0 – fit für die digitale Welt

Die Digitalisierung unseres Lebens nimmt im privaten wie im beruflichen Kontext unaufhaltsam zu und beeinflusst das Denken und Handeln in nahezu allen Gesellschaftsbereichen. Das Internet und intelligente Endgeräte sind für die Mehrheit der Menschen in Deutschland, Europa und in weiten Teilen der Welt zum unverzichtbaren persönlichen Kommunikations- und Assistenzsystem geworden mit direktem Zugriff »jederzeit und überall«. Die Wirtschaft digitalisiert ihre Produktions-, Arbeits- und Vertriebsprozesse, verknüpft diese mit dem Internet und schafft so unter dem Stichwort »Industrie 4.0« durchgehende, intelligente sowie wissensintensive neue Verfahren, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Dieser immer schneller werdende Wandel von Arbeitswelt und Gesellschaft bleibt nicht ohne Auswirkung auf die Bildungseinrichtungen und deren Aufgabe, Menschen aller Altersstufen zur emanzipierten Teilhabe und zu einer gestaltenden Rolle in einer sich ständig verändernden Welt zu befähigen.

Viele Weiterbildungsorganisationen in Deutschland haben sich deshalb schon frühzeitig mit der digitalen Transformation ihrer Bildungsangebote, Dienstleistungen und Prozesse auseinandergesetzt und digitale  Formate wie CBT/WBT, MOOC, blended Learning, Mobile Learning, Webinare, virtual Classrooms, serious Games oder Chats zum festen Bestandteil ihres Angebots gemacht.

Die Chancen der Digitalisierung und die sich daraus ergebenden Vorteile für lebensbegleitendes Lernen in der beruflichen, kulturellen und allgemeinen Erwachsenen- und Weiterbildung sind enorm. Es gilt aber auch, die Augen vor den Risiken und Gefahren möglicher Fehlentwicklungen nicht zu verschließen. Weiterbildung 4.0 ist deshalb auch eine Selbstverpflichtung beziehungsweise Aufforderung für Bildungsanbieter, Lehrende und Lernende über die gesamte Bildungskette hinweg durch Vermittlung von Medienkompetenz die nachhaltige und verantwortungsbewusste Anwendung der neuen Technologien zu ermöglichen.

Bei der Vermittlung beziehungsweise dem Erwerb von digitalen Fertigkeiten und Kenntnissen stehen daher nicht primär technik- und herstellergetriebene Zielsetzungen und Inhalte im Vordergrund. Es geht auch darum, Grundlagen für die persönliche Entwicklung zu schaffen und die politische Partizipationsfähigkeit in einer sich ständig verändernden digitalen Welt im Sinne eines ganzheitlichen und demokratischen Bildungsverständnisses zu stärken. So verstanden, wird die digitale Erwachsenen- und Weiterbildung die Menschen dazu befähigen, ihre Alltagshandlungen, beruflich wie privat, kompetent und souverän auszuführen.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Europäische Erwachsenenbildung vorantreiben!
Derzeit bestehen in Europa noch deutliche Unterschiede in der Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Bildungseinrichtungen. Die EU-Kommission hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, digitale Lehr- und Lernmaterialien, insbesondere solche, die durch EU-Programme kofinanziert werden, öffentlich zugänglich zu machen. Ferner verfolgt die EU mit der Online Plattform EPALE sowie mit der Initiative »Grand Coalition for Digital Jobs« das Ziel, die Rolle der Erwachsenenbildung in Europa und die digitalen Fertigkeiten der EU-Bürger zu stärken.
Diese Maßnahmen sind notwendig, aber nicht hinreichend. Deshalb rufen wir die Verantwortlichen in der EU und den Mitgliedsstaaten dazu auf, ein umfassendes europäisches Programm zur Digitalisierung der Erwachsenen- und Weiterbildung ins Leben zu rufen und den kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zu guten digitalen Lernprojekten und Initiativen weiter zu institutionalisieren und zu fördern.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Lehr-/Ausbildungspersonal kontinuierlich weiter qualifizieren
Nicht selten verfügen Lernende über punktuell bessere und/oder aktuellere IT-Kenntnisse als ihre Ausbilder und Lehrer. Das ist einerseits erfreulich, sollte aber andererseits eher die Ausnahme bleiben!
Wir halten ein einheitliches IT-Qualifizierungsprogramm für Lehr- und Ausbildungspersonal für notwendig, das die Aspekte der Lehr- und Lernforschung berücksichtigt und in dem aktuelle informationstechnische und medienpädagogische Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden. Darin müssen auch Fragen der IT-Sicherheit und des Urheberrechts thematisiert werden. Dieses Programm muss Bestandteil der Ausbildungscurricula und der Qualitätsmanagementsysteme sein.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Fertigkeiten und Kenntnisse dokumentieren und anerkennen!
Lernen im Netz entspricht häufig nicht der traditionellen und curricular bestimmten Vorgehensweise, sondern erfolgt mittels non-formalen und informellen, kleinteiligen und sehr spezifischen Lerneinheiten (z.B. Module, Learning Nuggets), die meistens keine Nachweise über die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse mitliefern.
Wir setzen uns deshalb für ein System der Abschlussorientierung und Nachweisbarkeit bei digitalen Lernarrangements ein, die eine Beurteilung der von den Lernenden erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse sowie deren Anerkennung durch Zertifikate oder Batches ermöglicht. Diese Leistungsnachweise können in speziellen – auch virtuellen – Prüfzentren erbracht und damit zur Beurteilung der individuellen Qualifikation im Rahmen des EQR/DQR herangezogen werden.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Beruflichen und gesellschaftlichen Anschluss sicherstellen!
Eine erfolgreiche Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen und gesicherte berufliche Perspektiven hängen in hohem Maß von digitaler Teilhabe ab. Einerseits nehmen vorhandene Unterschiede in der Mediennutzung zwischen Generationen und Geschlechtern ab, andererseits verstärkt sich ein Trend zur digitalen Spaltung in unserer Gesellschaft, die in einem engen Zusammenhang mit dem Bildungsabschluss, dem Alter und dem Einkommen der betroffenen Menschen steht.
Deshalb fordern wir den Bund und die Institutionen der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik auf, eine digitale Weiterbildungsoffensive einzuleiten, die den barrierefreien Zugang zu digitalen Medien ebenso beinhaltet wie eine Ausweitung und Intensivierung digitaler Formate in der klassischen Förderung der beruflichen Weiterbildung. Wir regen ferner flächendeckende und niederschwellige Angebote zum Erwerb professioneller IT-Kenntnisse für Geringqualifizierte, Personen mit Grundbildungsbedarf und Menschen aus bildungsbenachteiligten Schichten an.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Integration von Flüchtenden und Migranten erleichtern!
Hunderttausende von Menschen sind in unserem Land in den letzten Monaten angekommen auf der Flucht vor Krieg und Elend. Viele von Ihnen haben sich auf dem Weg hierher von ihrem Smartphone als Orientierungs- und Kommunikationsinstrument leiten lassen. Der digitale Anschluss wurde somit in vielen Fällen zur Überlebenshilfe oder gar zum Lebensretter. Die digitale Vernetzung kann auch bei der jetzt anstehenden Aufgabe der Integration eine Schlüsselrolle spielen.
Die vielen Projekte von (Erst-)Aufnahmeeinrichtungen, Schulen, Universitäten, Weiterbildungsträgern sowie von kommunalen Institutionen und Verwaltungen, die digitale Dienste und Formate betreiben und den Menschen damit helfen, durch unser Land und seine Regelwerke zu navigieren, Sprache zu lernen und damit zu einer positiven Willkommenskultur beitragen waren bzw. sind ebenso erfreulich wie notwendig. Jetzt wird ein zwischen dem Bund und den Ländern abgestimmtes Förderkonzept benötigt, das mit der sprachlichen Erstförderung beginnt und in dessen Zentrum der Integrationskurs und das weitere berufsbezogene Sprachenlernen stehen.

Weiterbildung 4.0 bedeutet: Ressortdenken überwinden und Kooperationen ausbauen!
Internet und Globalisierung sowie die damit verbundene Beschleunigung unserer Arbeits- und Lebenswelten machen weder vor nationalen Grenzen noch vor föderalen oder organisationalen Strukturen halt. Deshalb muss für eine erfolgreiche digitale (Weiter-)Bildungsoffensive das kleinteilige Denken in Ressorts überwunden und die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren sowie innerhalb der Weiterbildungsbranche intensiviert werden (»coopetition«). Das erweitert das Angebotsspektrum und schont die Ressourcen. Ferner ermöglicht es, Standards zu setzen und fördert die Transparenz.
Wir fordern daher Bund und Länder auf, bei der digitalen Agenda der Bundesregierung eng zusammenzuarbeiten. Das grundgesetzlich verankerte Kooperationsverbot im schulischen Bereich ist bezogen auf die digitale (Weiter-)Bildung aufzuheben sowie die inhaltliche und materielle Ausgestaltung der digitalen Bildungsoffensive mit der Wirtschaft und den Trägern der Weiterbildung gemeinsam zu gestalten. Wir erwarten, dass vom Nationalen IT-Gipfel 2016, der im November stattfindet und sich schwerpunktmäßig mit Fragen der digitalen Bildung befassen wird, ein starkes Signal für eine konzertierte Aktion ausgeht.

Der Deutsche Weiterbildungstag 2016 vereint Akteure unter dem Leitgedanken, dass Bürgerinnen und Bürger, Regierungen und Parlamente, Unternehmen und Organisationen nur gemeinsam die Herausforderungen, vor die uns die digitale Revolution stellt, meistern können. Als erfahrene Bildungsexpertinnen und -experten wollen wir dazu unseren Beitrag leisten. Am Weiterbildungstag zeigen wir, wie wir mit unseren Programmen und Angeboten die Digitalisierung mitgestalten und fördern. Die digitale Transformation unserer Gesellschaft ist vor allem auch ein (Weiter-)Bildungsprozess!

Download der politischen Plattform Langfassung – pdf-Datei

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