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Die Vorbilder der Weiterbildung 2016

Bereits traditionell wurden zum  Auftakt des Deutschen Weiterbildungstages in Berlin die »Vorbilder der Weiterbildung« geehrt – Menschen oder Projekte, die im besten Sinne für Weiterbildung und Lebenslanges Lernen stehen. Auch 2016 erhielten vier Preisträgerinnen in verschiedenen Kategorien die »Ehrenpreise des Deutschen Weiterbildungstages«. Geehrt wurden sie von prominenten Laudatorinnen. Die Preisträger des Deutschen Weiterbildungstages 2016 sind:

 

 

Preisträgerinnen 2016

Juliane von Hinüber-Jin in der Kategorie »Innovative Dozentin«

Wie führt man einen Deutschkurs durch, wenn die Teilnehmer gar nicht persönlich anwesend sind? Vor dieser Herausforderung stand Juliane von Hinüber-Jin, Dozentin beim Institut für Berufliche Bildung (IBB), als sie im August 2015 den Kurs »Sprachliche Qualifizierung für Lehrerinnen und Lehrer« des IQ Netzwerks Niedersachsen übernahm. Denn ihre 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Migrationshintergrund sind über ganz Niedersachsen verteilt und treffen sich deshalb internetbasiert über VIONA®, das virtuelle Klassenzimmer des IBB. Sie loggen sich von zu Hause in den Live-Unterricht ein und folgen ihm auf dem Bildschirm und über Kopfhörer. Per Mikrofon sprechen sie mit der Dozentin und den anderen Teilnehmern. Frau von Hinüber-Jin hat es in kürzester Zeit geschafft, den vermeintlichen Nachteil zu einem Vorteil zu machen, indem sie die Möglichkeiten des virtuellen Klassenzimmers optimal und kreativ kombiniert und ausschöpft. »Im virtuellen Seminarraum kann ich alle Beteiligten gleich stark einbinden und zum Beispiel schriftliche Texte von allen für alle sichtbar machen. So lernen die Teilnehmer nicht nur von mir, sondern auch voneinander«, erklärt von Hinüber-Jin. Die »Schüler« sind jedenfalls begeistert von ihrer Dozentin und ihrer Lehrmethode – und freuen sich schon darauf, dank ihres Sprachunterrichts bald selbst als Lehrer in Deutschland arbeiten zu können.

Nebahat Cakir in der Kategorie »Zweite Chance«

Nebahat Cakir ist 34 und alleinerziehende Mutter von vier kleinen Kindern. Gegen viele Widerstände erfüllte sie sich ihren Traum vom Abitur – dank eines Online-Kollegs. Nur diese digitale Lernform hat es der wissensdurstigen jungen Frau möglich gemacht, Familie und Lernen unter einen Hut zu bekommen.
Nebahat Cakir ist in Deutschland geboren. Ihr Vater kam als Gastarbeiter nach Deutschland, die Familie wuchs im ländlichen Kalletal auf, fern von der Großstadt - die Kinder wurden sehr religiös-traditionell erzogen. Alle sieben Kinder der Familie besuchten die Hauptschule, erwarben größtenteils die Mittlere Reife. Auch Nebahat Cakir schaffte den Realschulabschluss mit Qualifikation zur gymnasialen Oberstufe. Sie besuchte die 11. Klasse der Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen und träumte von einem Studium als Sozialpädagogin. Doch noch vorm Abschluss – im Sommer 1998 - flogen die Eltern mit ihr in die Türkei. Mit gerade einmal 17 Jahren musste sie heiraten - ihren damals 24-jährigen Mann. Als sie Dezember 1998 zurück nach Deutschland kam, war ihr Bildungsweg beendet. Um ihren Ehemann nachholen zu können, musste sie arbeiten. Mit 20 kam der erste Sohn, kurz darauf zwei weitere. Trotz der Beschäftigung mit den Kindern sehnte sie sich nach schulischer Ausbildung und beruflicher Qualifikation. 2008 startete sie einen ersten Versuch, das Abitur am Abendgymnasium Detmold zu erwerben – dies scheiterte an mangelnder Zeit. Bis sei einen Abitur-Online-Lehrgang am Westfalen- Kolleg in Paderborn entdeckte. Sofort war ihr klar, dass ein Lehrgang, der in zwei Tagen Präsenzzeit pro Woche und einer Online-Lernphase organisiert ist, die ideale Lösung für sie ist. Im August 2013 schlüpfte sie erneut zurück in die Rolle der Schülerin – und siehe da: so ging es! Am Westfalen-Kolleg wurde sie gut aufgenommen, der Lehrgang aus Distanz- und Präsenzphasen ließ sich gut arrangieren. Viele Kontakte haben sich entwickelt und Nebahat Cakir engagierte sich ehrenamtlich in Europäischen Projekten. Trotz privater Schwierigkeiten – in der Ehe entwickelten sich Probleme, die zur Scheidung führten – ist sie ihren Weg gegangen. Die Abiturprüfungen hat sie mit 1,2 bravourös absolviert. Jetzt möchte sie Jura studieren. Ein beeindruckendes Beispiel, wie sich der Traum von Bildung durch digitale Angebote doch noch erfüllen lässt.

Sabine Müller in der Kategorie »Aufstieg durch Bildung«

Sabine Müller, geb. 1970, wuchs als sogenanntes »Arbeiterkind«, also ohne familiären Zugang zur akademischen Bildung, auf. Ihre Teenagerzeit war geprägt durch vielfältige Interessen, jedoch nicht für ihre schulische Bildung. Letztlich musste sie in der 9. Klasse als »aufsässig und frech« die Schule verlassen. Es gelang ihr, eine Lehre als Feintäschnerin erfolgreich zu absolvieren; der Lebensweg schien nach dem Sieg in der Europameisterschaft der Auszubildenden und beruflichen Angeboten im In- und Ausland gesichert. Doch gesundheitliche Gründe machten alle Hoffnungen zunichte! Ihre Fähigkeiten als Handwerkerin konnte Frau Müller dann ab Januar 1994 in der Lebenshilfe Gießen e.V. einbringen. Dort wurde sie als Gruppenleiterin eingestellt und unterstützte fortan behinderte Menschen, berufliche Kompetenzen zu entwickeln. Der Beruf wurde Berufung; jedoch blieben viele Aufstiegsmöglichkeiten ohne Studium, gar ohne Abitur oder vergleichbaren Abschluss versperrt. 2006 erfuhr sie von der Möglichkeit, über eine Prüfung die Hochschulzugangsberechtigung zu dem Studium der Sozialen Arbeit zu erlangen. Sie schaffte die Prüfung mit Erfolg und hört danach von einem besonderen Angebot des Fachbereichs Sozialwesen an der Hochschule Fulda, nämlich ein Studium der Sozialen Arbeit im blended learning Format, zu studieren: Basa-online. Sabine Müller hatte Ängste – auch vor dem digitalen Lernen - wagte aber den Schritt. 2012 begann sie zu studieren, vier Jahre später, im Januar 2016 konnte sie ihr Studium der Sozialen Arbeit erfolgreich abschließen. Zwischenzeitlich wurde ihr die Leitung der promundio gGmbH übertragen und ihre Aufgabe ist es nun, gemeinsam mit behinderten Menschen passgenaue Reiseangebote zu planen und durchzuführen: ihr Traumjob!

Das »Mainzer Studienhaus – Schmerzfreier Einstieg in die digitale Bildung« in der Kategorie »Vorbildliches Unternehmen«

Beim Einstieg in die digitale Bildung kommt es häufig zu folgender Situation: Eine Lehrerin fühlt sich überfordert. Neben den vielfältigen Aufgaben, die der Lehrerjob mit sich bringt, soll sie wenige Jahre vor dem Ruhestand nun auch noch den Computer einsetzen. So fühlen sich viele Mitarbeiter in Bildungseinrichtungen und anderen Unternehmen. Deshalb hat das Mainzer Studienhaus (http://www.mainzer-studienhaus.de) ein ganz besonderes Angebot mit ins Programm genommen: Es begleitet Bildungseinrichtungen beim Einstieg in die digitale Welt. Das Studienhaus erarbeitet einen genauen Plan, an welchen Stellen und in welchen Abläufen der Einsatz von digitalen Medien Sinn macht. Besonders wichtig ist dabei, dass der Computer oder neue Technologien nur dann eingesetzt werden, wenn sie wirklich einen Mehrwert bringen. Ein genaues Weiterbildungskonzept für die Mitarbeiter/innen und Einzelgespräche stellen sicher, dass der Umstieg in kleinen Schritten vollzogen wird und dass kein/e Mitarbeiter/in überfordert wird.

Alle Filme wurden von Jürgen Kura realisiert. www.juergen-kura.de

Für die Endrunde nominiert wurden darüber hinaus:

  • Irena Härtl, eine Dozentin der Steinhöfelschule Mainz, die sich leidenschaftlich für digitales Arbeiten im Unterricht einsetzt (Vorschlag VDP)
  • Alena Peters, Friederike Rohlmann und Antonio Fernandes, das Projektteam von »MobiPro-EU«, die bei der Integration spanischer Jugendlicher in Deutschland vorbildhaft digitale Medien nutzen (Vorschlag Grone-Schulen)
  • Hedwig Seipel, eine herausragende E-Learning-Expertin, die mit Leidenschaft auch andere Trainer und Dozenten vom digitalen Lernen begeistern will (Vorschlag SGD Darmstadt)
  • Nina Oberländer von der VHS Bremen, die unter anderem mit einem ichMooc Vorkämpferin für Digitales Lernen an den Volkshochschulen ist (Vorschlag Deutscher Volkshochschul-Verband)
  • Ruhin Ashuftah, ein afghanischer Zuwanderer, der das Trauma-Erst-Stabilisierungszentrum (TEZ) für junge Flüchtlinge in Hamburg gegründet hat und die Möglichkeiten digitalen Lernens erschließt (Vorschlag Grone-Schulen)
  • Gerome Dzomo Folefack, ein in Kamerun geborener junger Mann, dem es gelang, in Deutschland ein Maschinenbaustudium erfolgreich zu absolvieren und hier beruflich Fuß zu fassen (Vorschlag HFH Hamburg)
  • Angela Weyl, eine Rollstuhlfahrerin, die dank digitalem Lernen die Chance erhielt, eine Weiterbildung zu absolvieren und einen beruflichen Neuanfang zu starten (Vorschlag WBS Training)
  • Michael Graus, ein Mann mit Asperger-Autismus, dem eine Umschulung im digitalen Lernnetz für sein Berufsleben eine zweite Chance eröffnete (Vorschlag WBS Training),
  • Melanie Schemann, eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die sich beruflich in einer Männerdomäne behauptet und sich zusätzlich zu Vollzeitjob und Familie noch an ein Fernstudium zur staatlich geprüften Technikerin wagte und dies als eine der Lehrgangsbesten absolvierte (Vorschlag DAA Technikum)
  • Bahar Yavsan, eine junge Frau mit Migrationshintergrund, die dank ihrer hohen, unermüdlichen Fort- und Weiterbildungsbereitschaft sich von der Praktikum zur Führungskraft entwickelt hat (Vorschlag Oskar Kämmer Schule/ VDP) und
  • Margret Budde, eine 80-Jährige, die über ihre Internetplattform www.moment-mal-mach-mit.de kostenfreie Weiterbildungsangebote anbietet und vor Menschen jeden Alters zum eigenen Aktivsein motiviert.

 

Wir gratulieren allen Gewinnern und den Nominierten ganz herzlich.

Die Preisträger der Vorjahre finden Sie hier.

 


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