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14.09.2010 |

Neue OECD-Studie: Deutschland hinkt bei Bildung und Weiterbildung hinterher

Deutschland liegt mit seinem Bildungssystem trotz leichter Verbesserungen international weiter zurück. Dies geht aus dem neuen weltweiten Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, der in Berlin veröffentlicht wurde


So erwerben in anderen Industrieländern deutlich mehr junge Menschen einen Hochschulabschluss. Ebenso beteiligen sich dort erheblich mehr Ältere an hoch qualifizierter Weiterbildung. Auch der Anteil der Bildungsausgaben am Brutto-Inlandsprodukt ging in Deutschland erneut leicht zurück. Während Spitzenreiter wie die USA, Korea und Dänemark einen Anteil von mehr als sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Ausbildung investierten, erreichte Deutschland im Jahr 2006 lediglich einen Anteil von 4,8 Prozent. Unter den OECD-Ländern hätten nur Irland, Spanien, die Slowakei und die Türkei weniger für Bildung ausgegeben als Deutschland.

Die OECD in Paris, die die 30 wichtigsten Industriestaaten bei ihrer wirtschaftlichen Entwicklung berät, forderte die Bundesrepublik nachdrücklich zu weitere Reformanstrengungen auf. »Wenn Deutschland gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren«, sagte OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger. Dem Bericht zufolge schlossen 2007 in Deutschland 23 Prozent eines Jahrganges ein Studium ab. 1995 waren es erst 14 Prozent. International stieg die Absolventenquote im gleichen Zeitraum aber von 18 auf 36 Prozent. 2008 legte die Studienanfängerquote in Deutschland allerdings auf 36 Prozent zu.

Weiterbildung: Bei Voll- und Teilzeitstudium nach Türkei und Korea geringster Wert in OECD

Auch in der Weiterbildung hinkt Deutschland laut OECD hinterher. Während in Australien, Finnland oder Schweden 13 Prozent und mehr der 30- bis 39-Jährigen für ein Vollzeit- oder Teilzeitstudium eingeschrieben sind, sind es in Deutschland nur 2,5 Prozent. Nach der Türkei und Korea ist das der geringste Wert innerhalb der OECD.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte bei der Vorstellung des Berichts, dieser zeige die »Dynamik« nach den Reformanstrengungen der vergangenen Jahre. Zugleich werde aber auch deutlich, "welche Hausaufgaben noch zu erledigen sind". Schavan bekräftigte ihre Forderungen nach Veränderungen bei den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen. So müsse es bei den Studienzeitvorgaben für die Bachelor-Studiengänge mehr Flexibilität geben. Auch müssten die Studierenden »ein klares Signal« bekommen, ein Masterstudium beginnen zu können. Die Hochschulrektorenkonferenz hatte dagegen unlängst die generelle Zulassung von erfolgreichen Bachelor-Absolventen in das weiterführende Masterstudium abgelehnt.

Das Deutsche Studentenwerk kritisierte hingegen, der Bedarf an Hochqualifizierten sei nicht gedeckt. Auch andere Interessenvertreter nutzen die Studie als Anlass für Kritik an der deutschen Bildungspolitik. Die Vorsitzende des Bildungsausschusses im Deutschen Bundestag, Ulla Burchardt (SPD) forderte die Abschaffung von Studiengebühren. Der bildungspolitische Sprecher der FDP, Patrick Meinhardt, bezeichnete den Bildungsbericht als Armutszeugnis. Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Krista Sager sagte: »Der Abstand zur OECD-Spitze und sogar zum Mittelfeld wird immer größer.«

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erklärte, an internationalen Maßstäben gemessen müssten in Deutschland Jahr für Jahr mindestens 30 bis 40 Milliarden Euro mehr für die Bildung ausgegeben werden. Die bildungspolitische Sprecherin Partei Die Linke, Nele Hirsch, monierte, das Bildungssystem sei chronisch unterfinanziert. Der Verband Bildung und Erziehung betonte, gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise müssten Bildungsausgaben Vorrang bekommen.

Quelle: www.tagesschau.de

-> OECD-Studie auf deutsch

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