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17.09.2014 | News

GEW fordert zum Weiterbildungstag »600 Millionen Euro zusätzlich für die Weiterbildung«

Aktuelle GEW-Studie zur Länderfinanzierung der Weiterbildung konstatiert: »Kein Land investiert auch nur ein Prozent seiner Bildungsausgaben in die Erwachsenenbildung - der Schnitt liegt bei 0,34 Prozent«

Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schlägt aus Anlass des Deutschen Weiterbildungstages Alarm: »Die Weiterbildung geht am Stock: 600 Millionen Euro müssen zusätzlich für die von den Bundesländern öffentlich verantwortete Weiterbildung ausgegeben werden, um den dringendsten Bedarf zu decken. Kein Land investiert auch nur ein Prozent seiner Bildungsausgaben in die Erwachsenenbildung. Der Schnitt liegt bei 0,34 Prozent« stellte Ansgar Klinger, im GEW-Vorstand für Weiterbildung verantwortlich, heute in Frankfurt a.M. mit Blick auf den Deutschen Weiterbildungstag 2014 fest. Er bezog sich auf Daten eines Gutachtens, das die GEW bei dem renommierten Bildungsforscher Roman Jaich in Auftrag gegeben hatte. »Die krasse Unterfinanzierung ist ein deutliches Signal, dass Politik die allgemeine, politische und kulturelle Weiterbildung zu wenig Wert schätzt. Dies steht im Gegensatz zu der in Sonntagsreden gerne beschworenen Bedeutung der Weiterbildung als ›vierter Säule des Bildungswesens‹ in Deutschland und des ›lebensbegleitenden Lernen‹.«

In einer sich rasant entwickelnden Gesellschaft müsse das »lebensbegleitende Lernen« zu einer Selbstverständlichkeit werden, sagte Klinger. Es eröffne den Menschen die Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben, an der Gesellschaft teilzuhaben und Mitbestimmungsrechte einzulösen. Zudem trage das »lebensbegleitende Lernen« dazu bei, persönliche und berufliche Kompetenzen weiter zu entwickeln.

»Wir brauchen mehr pädagogisches Personal, um das Bildungsangebot auszuweiten und zu verbessern, gleichzeitig wollen wir die Arbeitsbedingungen der Lehrenden stabilisieren«, betonte der Weiterbildungsexperte. Deshalb sollten mit den zusätzlichen Geldern Teilnehmergebühren gesenkt bzw. abgeschafft, die Grundbildung ausgebaut und prekäre Beschäftigung gestoppt werden. Klinger machte deutlich, dass die steigende »Teilnehmermaut« ein wichtiger Grund für die sinkende Bildungsbeteiligung sei. »Die Höhe der Gebühren schreckt viele Menschen von Weiterbildung ab. In der Vergangenheit galt folgender Daumenwert: Ein Drittel der Kosten tragen die Länder, ein Drittel übernehmen die Träger, ein Drittel die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In diese Richtung müssen wir wieder kommen«, unterstrich der GEW-Sprecher.

Die von der Max-Träger-Stiftung finanzierte Studie »Finanzierung der gesetzlich geregelten Erwachsenenbildung durch die Bundesländer« kommt zu dem Ergebnis, dass die Länder – sie sind für die Erwachsenenbildung zuständig – weit weniger als noch nicht einmal ein (!) Prozent ihres Bildungsbudgets für die Erwachsenenbildung aufwenden, im Durchschnitt sind es sogar nur 0,34 Prozent! Das vollständige Gutachten des Bildungsforschers Roman Jaich sowie ein Interview mit Roman Jaich finden Sie hier.

 

Welches Bundesland gibt wie viel für die Weiterbildung aus? (Auszug aus der Studie)

Tabelle 36: Übersicht

Land

Erwachsenen-bildungsbudget in Euro

Bildungsbudget in Euro

Anteil Landesmittel Erwachsenenbildung am Bildungsbudget in Prozent

Landesmittel für Erwachsenenbildung pro Erwachsenen in Euro

Baden-Württemberg

22.277.500

12.116.860.100

0,18

2,50

Bayern

32.409.200

15.043.782.200

0,22

3,10

Berlin

16.297.446

4.971.124.500

0,33

5,45

Brandenburg

4.223.200

1.543.249.900

0,27

1,96

Bremen

4.289.560

544.546.950

0,79

7,64

Hamburg

14.980.000

3.276.067.000

0,46

9,83

Hessen

12.348.100

7.746.197.900

0,16

2,43

Mecklenburg-Vorpommern

5.646.100

1.210.572.500

0,47

3,99

Niedersachsen

51.377.000

8.770.543.000

0,59

7,84

Nordrhein-Westfalen

114.234.800

20.883.107.500

0,55

7,70

Rheinland-Pfalz

11.596.800

5.800.842.200

0,20

3,36

Saarland

3.802.400

1.035.943.400

0,37

4,40

Sachsen

8.253.000

3.721.245.700

0,22

2,31

Sachsen-Anhalt

4.801.640

1.806.574.840

0,27

2,38

Schleswig-Holstein

4.096.800

2.726.078.800

0,15

1,73

Thüringen

8.829.700

1.994.646.400

0,44

4,58

 

319.463.246

93.191.382.890

0,34

 

 

Bereits vor 10 Jahren hat die »Expertenkommission Finanzierung Lebenslangen Lernen« für das allgemeine, politische und kulturelle Lernen empfohlen: »Die Sicherstellung einer flächendeckenden Grundversorgung als kommunale Pflichtaufgabe soll mittels einer institutionellen Sockelfinanzierung durch die Länder und Gemeinden mit einem zu vereinbarenden Prozentsatz des jährlichen Haushalts als Untergrenze erfolgen.« (Expertenkommission Finanzierung Lebenslangen Lernens (2004): Der Weg in die Zukunft, Bielefeld, S. 199)

Diese Empfehlung hat das Bochumer Memorandum mit der Forderung konkretisiert, den finanziellen Umfang der Weiterbildungsförderung des Landes mittelfristig auf ein Prozent des Bildungsetats zu steigern. Wendet man dies auf die gegenwärtige Situation in den Ländern an, so ergibt sich der mittelfristige Erhöhungsbedarf für die Förderung der Erwachsenenbildung wie folgt:

 

Mittelfristiger Erhöhungsbedarf  des Erwachsenenbildungsbudgets bei 1 Prozent des Bildungsetats

Land

Erwachsenen-bildungsbudget in Mio. Euro im Jahr 2014

Anteil Erwachsenen-bildung am Bildungsbudget in Prozent im Jahr 2014

Erhöhung des Erwachsenen-bildungsbudgets in Mio. Euro (angenähert)

Baden-Württemberg

22,3

0,18

98,9

Bayern

32,4

0,22

118,0

Berlin

16,3

0,33

33,4

Brandenburg

4,2

0,27

11,2

Bremen

4,3

0,79

1,2

Hamburg

15,0

0,46

17,8

Hessen

12,3

0,16

65,1

Mecklenburg-Vorpommern

5,6

0,47

6,5

Niedersachsen

51,4

0,59

36,3

Nordrhein-Westfalen

114,2

0,55

94,6

Rheinland-Pfalz

11,6

0,2

46,4

Saarland

3,8

0,37

6,6

Sachsen

8,3

0,22

29,0

Sachsen-Anhalt

4,8

0,27

13,3

Schleswig-Holstein

4,1

0,15

23,2

Thüringen

8,8

0,44

11,1

Summe

319,5

0,34

612,5

Beispielland

20,0

0,34

38,3








 

 

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