SERVICE
Kontakt zum Servicebüro
Tel.: 0221 - 32 07736
service@deutscher-weiterbildungstag.de
27.09.2016 | Interview

»VIONA® ist leicht und niedrigschwellig – und das war wirklich schwer«

Ein Gespräch über die Virtuelle Online Akademie VIONA® mit Katrin Witte, Vorstand des Instituts für Berufliche Bildung (IBB AG), und Dr. Fabian Kempf, Geschäftsführer der vitero GmbH

Katrin Witte

Frau Witte, Herr Dr. Kempf, Sie stehen beide für VIONA®, die Virtuelle Online Akademie des IBB. Zuallererst die Frage: Was ist das eigentlich? Wie würden Sie Ihren Kindern oder Ihren vermutlich 70-jährigen Eltern erklären, womit Sie sich den ganzen Tag beschäftigen?

Witte: Meine Tochter hat mich tatsächlich schon öfter gefragt: Mama, was machst du eigentlich? Es ist gar nicht so leicht zu erklären.

Dr. Kempf: Ich würde es mit meiner Mutter so versuchen: Stell dir vor, Mutti, du bist in der Schule. Du sitzt im Klassenraum, vorne steht der Lehrer und um dich herum sind deine Mitschüler. Ihr habt zusammen Mathe. Genau so ist VIONA®, nur mit einem kleinen Unterschied: Ihr sitzt nicht direkt nebeneinander, sondern trefft Euch stattdessen im Computer, nur virtuell – und Euer Klassenraum heißt VIONA®. Das ist so wie bei Skype, das kennst du ja, nur eben für eine ganze Schulklasse.


VIONA® ist also ein virtueller Klassenraum?

Witte: Ja und nein. Um im Bild zu bleiben: Neben dem Klassenraum ist VIONA® noch die Bibliothek der Schule und das Regal für Schüler und Lehrer, in dem die Lern-Unterlagen für den Unterricht zur Verfügung gestellt werden. Auch das alles virtuell. Und darüber hinaus steckt hinter VIONA® natürlich ein ganzes Konzept, eine spezielle Methodik und Didaktik, damit diese Art des Lernens auch funktioniert.

Dr. Kempf: VIONA® ist eine ganze Wissensplattform, daher auch der Name Virtuelle Online Akademie.


Dr. Fabian Kempf

Nun gibt es viele technische Lösungen für virtuelle Klassenräume. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an VIONA®?

Witte: Es ist einfach, es ist leicht zu bedienen, es ist niedrigschwellig. Zu uns kommen ja viele Erwachsene, die eine Weiterbildung oder Umschulung machen wollen, und nicht technikaffin sind. Entweder sie haben in ihrem Arbeitsleben noch nie oder nicht viel am Computer gesessen oder sie sind generell nicht ans Lernen gewöhnt. Wir haben zunächst mit Erstaunen, dann immer mehr mit Begeisterung festgestellt, dass unsere Kursteilnehmer trotzdem mit VIONA® zurechtkommen. VIONA® schafft es wirklich, eine echte, funktionierende Klassenraum-Atmosphäre zu erzeugen.

Dr. Kempf: Das war auch unser Ziel. Ich vertrete ja die Firma – die vitero GmbH – die in Zusammenarbeit mit dem IBB diese Plattform entwickelt hat. Unser Team, auch ich selbst, kommt aus einem Fraunhofer-Forschungsinstitut. Wir forschen schon seit Jahren daran, wie wir in digitaler Kommunikation – zum Beispiel auch bei Videokonferenzsystemen – Störungen minimieren und Überforderungen vermeiden können. Wie muss Software gestaltet sein, damit sie die Teilnehmer nicht ermüdet oder damit sie nicht abgelenkt sind? Das ist für uns die zentrale Frage.


Das klingt nach einem sehr spannenden Forschungsgegenstand. Wo gibt es denn die größten Problemstellen beim digitalen Lernen?

Dr. Kempf: Grundsätzlich geht es darum, unnötige Denkleistungen zu vermeiden, damit die Kapazitäten ganz fürs Lernen eingesetzt werden können. Ein Beispiel für unnötige Denkleistung: Sie stehen am Bahnhof und müssen an der gelben Abfahrtstafel schauen, wann Ihr nächster ICE fährt. Unter der Abfahrtzeit steht kleingedruckt: † 1). Nun müssen Sie noch an zwei weiteren Stellen schauen um zu verstehen, ob heute um diese Zeit tatsächlich der Zug fährt. Dieses räumlich verteilte Anordnen der Informationen erzeugt einen sogenannten Splitt Attention Effekt und damit unnötige Denkleistung. Sie haben bereits viel an Aufmerksamkeit investiert, bis die eigentlich wichtige Information ankommt. Unser Ziel ist es, genau so etwas zu vermeiden. Wir haben daher den grafischen Bildschirmaufbau und die Funktionen so weit optimiert, bis der Lernraum erwartungskonform ist und die Teilnehmer sich in diesem Raum wirklich wohlfühlen. Zum Beispiel wird jede Person in diesem Raum mit einem Foto dargestellt – und wenn der Platz nicht besetzt ist, ist das Foto weg. Oder nehmen wir an, jemand holt sich gerade einen Kaffee oder muss kurz verschwinden. Wenn das im realen Klassenzimmer passiert, sieht der Lehrer: Aha, Frau XY ist gerade aus dem Raum gegangen. Im virtuellen Klassenraum ist das schwieriger. Daher konnte es passieren, dass die Lehrkraft jemanden fragte und das Mikro gab – und es gab keine Antwort. Eine klassische Kommunikationsstörung. Hier haben wir zum Beispiel das Symbol der Kaffeetasse eingeführt. Wenn jemand kurz nicht ansprechbar ist, wird das Symbol aktiviert – und alle anderen im virtuellen Raum wissen: der ist mal kurz weg. Und so gibt es viele kleine Details in der Software – Meldegesten, Sprechblasen oder Kaffeetasse – mit denen die virtuelle Lernsituation so nah wie möglich an die gewohnte analoge Lernsituation angeglichen wird.


Sehr, sehr interessant. Aber fast auch ein wenig paradox. Denn es klingt, als würde digitales Lernen vor allem versuchen, analoges Lernen zu kopieren. Dann könnte man es doch einfach bei analogem Lernen lassen. Gibt’s denn auch einen Mehrwert, den nur digitales Lernen bringt?

Witte: Das wichtigste ist die Ortsunabhängigkeit. Wir bilden ja Kurse mit einer Teilnehmerin aus Leer in Ostfriesland, einem aus Fulda, einem aus Bamberg, einer aus Mainz und zwei weiteren aus Leipzig und Dresden. Jeweils alleine könnten wir ihnen niemals diesen Kurs am Standort bieten. Das ist ein großartiges Plus. Und dann gibt es auch Bereiche, in denen digitales Lernen echte Vorteile hat. Zum Beispiel beim Software-Training. Die Teilnehmer lernen im Kurs etwa das Programm »Photoshop«. Während beim analogen Lernen jeder Schüler seine Anwendungen am eigenen Rechner umsetzt und dann am Bildschirm dem Dozenten oder den anderen im Kurs zeigt, ist es beim digitalen Lernen so, dass man einfach den Bildschirm für alle sichtbar macht. Und sogar noch besser: Die anderen Kursteilnehmer können gleichzeitig daran arbeiten – so ergibt sich eine viel effektivere Arbeitsweise. Gerade bei Software-Schulungen hat sich der virtuelle Unterricht sehr bewährt.

Dr. Kempf: Sehr wichtig bleiben natürlich die Trainer und die Lernkonzepte. Wie gestalten die Dozenten den virtuellen Raum? Welche Tools nutzen sie? Und da gibt es gerade beim IBB inzwischen etliche Spezialisten, die die Möglichkeiten des virtuellen Klassenzimmers gekonnt ausnutzen – auch für Einzelübungen, für Spezialcoachings oder ähnliches.


Frau Witte, Sie sagten, das digitale Lernen habe sich bei Ihnen bewährt. Und tatsächlich ist die IBB AG ja fast vollständig auf die virtuelle Lehrgangsform übergegangen. Wird das denn von allen Teilnehmern einfach so akzeptiert?

Witte: Es ist erstaunlich, was sich da in den letzten Jahren getan hat. Noch vor drei Jahren war VIONA® ein erklärungsbedürftiges Produkt. Inzwischen hat jeder schon mal geskypt und man kennt diese Form der virtuellen Kommunikation. Natürlich gibt es immer noch Ängste. Deshalb bieten wir am Anfang immer erst mal Schnupperstunden und Probekurse. Die meisten Interessenten entscheiden sich danach für die virtuelle Lernform. Zusätzlich bieten wir dabei aber auch immer eine persönliche Betreuung vor Ort. Die Teilnehmer kommen an einen unserer mehr als 120 Standorte und loggen sich dann hier in ihren virtuellen Kurs ein. Parallel gibt es Jobcoaching und direkte Ansprechpartner.


Warum müssen die Teilnehmer denn überhaupt noch an die Standorte kommen? Kann man sich nicht einfach von zu Hause einloggen?

Witte: Das gehört bei uns zum Konzept, denn uns ist es wichtig, die Kursteilnehmer an eine Art Arbeitsalltag zu gewöhnen. Wir haben die Klassenräume deshalb auch etwa wie Büros aufgebaut, zwischen vier bis sechs dieser »Übungsbüros« gibt es an den einzelnen Standorten. In Einzelfällen ist es aber bei uns auch möglich, von zu Hause aus zu lernen, zum Beispiel bei Krankheit oder wenn ein Angehöriger gepflegt werden muss. In diesen Fällen versuchen wir dann, eine ganz spezielle Begleitung und Betreuung sicherzustellen.

Dr. Kempf: Dazu will ich ergänzen, dass an den IBB-Standorten, die ich kennengelernt habe, eine besondere Atmosphäre herrscht – eine sehr positive, sehr familiäre Stimmung. Eine richtig gute Lernatmosphäre.


Können Sie mir noch einmal sagen, wer von Ihnen welchen Anteil an VIONA® hat?

Dr. Kempf: Wir sind die Softwareentwickler und Berater, und stellen das leere Klassenzimmer ohne Inhalte zur Verfügung. Wir bieten auch anderen Kunden virtuelle Kommunikations- und Schulungssysteme an, zum Beispiel Volkwagen, Lufthansa oder ERGO. Außerdem bedienen wir nicht nur Kunden im Bereich Lernen, sondern auch in anderen Bereichen, zum Beispiel E-Health, wo wir etwa Stottertherapien virtualisieren.

Witte: Und wir sind der klassische Weiterbildungsanbieter, der den speziellen Klassenraum VIONA® mit konzipiert und optimiert hat. Wir nutzen den leeren Klassenraum so, wie ich das schon beschrieben habe. Im Moment bieten wir darin mehrere Hundert Module für Weiterbildungen, Umschulungen oder Einzelkurse an. Dabei haben wir auch ein Partnerprogramm, bei dem andere Weiterbildungsanbieter auf unsere Module zugreifen können. So können sie ihr eigenes Angebotsportfolio erweitern und Kunden bedienen, denen sie sonst vielleicht nichts anbieten könnten. Dieses Partnerprogramm verbindet uns zum Beispiel mit der DAA, die ja auch Mitveranstalter des Deutschen Weiterbildungstages ist.


Das war das letzte Stichwort, auf das ich gewartet habe: Deutscher Weiterbildungstag. VIONA® ist in diesem Jahr erstmals Sponsor des Deutschen Weiterbildungstages. Was hat Sie dazu bewogen?

Dr. Kempf: Die Halbwertszeit des Wissens wird in vielen Bereichen dramatisch kürzer, Lernen hört mit der Schule definitiv nicht auf. Ein Land wie Deutschland hat ohne Bildung keine Chance. Wenn wir uns zurücklehnen, kriegen wir das nicht mehr hin. Deshalb finde ich es toll, dass es einen Weiterbildungstag gibt. Es bringt dieses wichtige Thema in die Öffentlichkeit – und das wollen wir mit unterstützen.

Witte: Als IBB sind wir dem Deutschen Weiterbildungstag ja schon jahrelang eng verbunden. Weiterbildung muss in die Köpfe, ohne Weiterbildung gibt es keine Weiterentwicklung. Als wir in diesem Jahr von dem Motto »Weiterbildung 4.0« hörten, dachten wir: Das passt zu uns. Wir sind bereit, unsere mittlerweile langjährigen Erfahrungen – sowohl in der Technologie wie vor allem auch in der Didaktik – mit anderen zu teilen. Wir können uns vorstellen, unser Partnerprogramm noch weiter auszubauen und bieten unseren Erfahrungsschatz sehr gerne anderen an. Deshalb haben wir uns an diesem Sponsoring beteiligt, um VIONA®, ein Konzept von dem wir absolut überzeugt sind, noch bekannter zu machen.


Herzlichen Dank für das außerordentlich interessante Gespräch!

Interview: Petra Hennicke, Büro Deutscher Weiterbildungstag

Weitere Informationen:   

Zurück


Startseite  |  Kontakt  |  Impressum